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Tourenbericht: Rauschenspitze Meridian

vom 22.01.2002


Es ist Ende August, Torsten ist in der Form seines Lebens (die 2 Monate später in Kreuzturm Westkante gipfelte, für uns am Jahresanfang unvorstellbar...) und das Wetter zeigt sich endlich mal wieder von seiner besseren Seite. Mitten in der Woche wollen wir rausgehen. Am Vorabend haben wir uns für den Meridian an der Rauschenspitze entschieden, ein moderner Weg, noch nicht mal 20 Jahre alt, trotzdem schon ein Klassiker. Gegen zehn stehen wir unter der mehr als fünfzig Meter hohen, senkrechten Wand, durch die sich unser Weg zieht. Mit VIIIb, RP VIIIc ist der Weg schon an der oberen Grenze unseres Könnens, aber ein Versuch kann ja nicht schaden.


Nachdem wir unsere Sachen auf den Vorblock gehievt haben, soll es losgehen, noch bevor die Hitze zu anstrengend wird. Eigentlich soll ja ich vorsteigen, doch die ersten Meter gefallen mir von unten überhaupt nicht und so lasse ich Torsten liebend gern den Vortritt. Zum ersten Ring ist es schon mal nicht ganz einfach, wir legen lieber vorher von unten noch eine Schlinge um einen Aufschlag mit dem Rücken auf der gefährlichen Kante des Blocks zu vermeiden. Torsten klinkt den ersten Ring und klettert dann weiter nach oben. Ich sehe, wie er ein paar Schlingen legt, ob sie brauchbar sind, kann ich von unten nicht erkennen. Dann wird es spannend, ein ziemlich großer Überhang naht. Torsten kommt linkshaltend ganz gut darüber hinweg und quert dann nach rechts zu einem Ring. Nach einer Weile merken wir, dass dies wohl der falsche Ring ist, und Torsten klettert wieder nach links. Von dort nach oben, und dann kommt auch schon der richtige Ring. Noch ein paar Meter höher und er macht erst mal Stand am dritten Ring. Ich sichere aus und mache mich fertig.


Noch einen großen Schluck Wasser und dann geht es los. Vorsichtshalber habe ich noch eine Extra-Flasche Wasser an den Gurt gehängt, denn es wird wohl eine Weile dauern, bis wir wieder am Boden sind. Ich klettere los und komme auch ganz gut voran, aber an einer der Stellen, die mehr Kraft erfordern, zerre ich mir irgendwie was im Handgelenk, tut jedenfalls ziemlich weh. Aber beim Klettern kann man so etwas ja gut ausblenden, und so geht es weiter. Geht alles ziemlich auf die Arme und die Schlingen finde ich auch nicht sonderlich berauschend. Hut ab vor Torsten, wer weiß ob ich das im Vorstieg gepackt hätte. Ziemlich entkräftet, aber nach wunderschöner Kletterei, komme ich bei Torsten am dritten Ring an. Ich gebe ihm erstmal die Wasserflasche, denn er ist dort oben mittlerweile schon ziemlich ausgedörrt.


Ab jetzt werde ich weiter vorsteigen, zur besseren Sicherung lasse ich Torsten zum zweiten Ring ab. Nachdem ich halbwegs ausgeruht bin, geht es los. Knifflige Züge bis zu einem Band, von dort geht es dann, gesichert durch sehr gute Schlingen, weiter zum vierten Ring. Hier weiß ich erstmal nicht weiter, gerade hoch sieht es eigentlich völlig ungangbar aus. Aber rechts und links ist erst recht nichts zu machen, also muss es ja gerade hoch irgendwie gehen. Nach einigem Suchen orte ich ein paar Fingerlöcher, mit welchen es vielleicht irgendwie gehen könnte. Ein erster Versuch scheitert, aber beim zweiten Mal taste ich mich nach oben. Schwere Züge an den Fingerlöchern, noch mal durchstützen, dann stehe ich zitternd auf einem breiten Band und klinke den fünften Ring, wohl extra zum Nachholen geschlagen. Torsten folgt flott bis hierher und so mache ich mich an den Quergang. Im Kletterführer steht fälschlicherweise rechtsansteigend, in Wirklichkeit ist es aber rechtsabsteigend. Am dritten Ring der "Talseite" angekommen, hole ich wieder Torsten nach und mache mich dann an die letzten Meter, die so genannte Birkigtkante, auch noch mal Reibung im unteren achten Grad. Geht aber gut und problemlos zu klettern, die Ringe stecken mittlerweile an den richtigen Stellen und so komme ich bald auf dem Gipfel an. Torsten ist auch bald da und so freuen wir uns über unser erfolgreiches "Team Work". Ein toller Weg auf einen selten bestiegenen Gipfel, das Buch ist immerhin aus den fünfziger Jahren, und man kann die komplette sächsische Kletterelite im Buch finden.


Zum Schluss noch mal die Empfehlung: Klettert diesen Weg! Ein Weg, der mit zunehmender Entfernung vom Boden immer besser wird. Bis auf unten sehr gut gesichert, oben raus auch sehr guter Fels, gleich bleibend schwierig, eine tolle Aussicht und das ganze natürlich an einem hohen und schwierig zu besteigenden Gipfel. Was will man mehr?


PS: Den nächsten Tag quälen wir uns bei extremer Hitze noch durch Rathen, aber mein Handgelenk hat scheinbar wirklich was abbekommen, an Klettern ist für die nächsten Tage nicht mehr zu denken. Aber für diesen Weg hat sich das alles mehr als gelohnt...




















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